Rezensionen · Romane + Erzählungen

Roman in Moll und Dur

Eine Rezension zu Thees Uhlmanns: „Sophia, der Tod und Ich“

09/2017 als Taschenbuch (Hard Cover 2015) erschienen, Kiepenheuer & Witsch

Thees Uhlmanns Debütroman „Sophia, der Tod und ich“ klingt schwerfälliger, als die Geschichte letztendlich ist. Denn es ist zwar eine Auseinandersetzung mit dem Tod, aber gleichzeitig auch ein Buch über das Leben, welches mit viel Witz und Charme geschrieben ist.

Thees Uhlmann ist eigentlich Musiker, früher Leadsänger bei Tomte, nun solo unterwegs, der in seinen deutschsprachigen Liedtexten wortgewandt über das Leben erzählt und diese gekonnt in rockige Töne verpacken kann. Als Fan seiner Musik war ich umso mehr auf sein erstes Buch gespannt. Eigentlich habe ich es schon Anfang des Jahres gelesen, jedoch zu der Zeit, als ich meine Seite zu einem Literaturblog umwandelte. Anfang September erschien „Sophia, der Tod und ich“ als Taschenbuch, welches ich als idealen Anlass sah, meine Rezension nachzuholen.

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Thees Uhlmanns Debütroman

 

Inhalt

Es kommt so unerwartet. Auf einmal steht er vor deiner Tür und klingelt: Der Tod. So geht es jedenfalls dem Ich-Erzähler in „Sophia, der Tod und ich“. Durch den personifizierten Tod muss er erfahren, dass er aufgrund eines unerkannten Herzfehlers nur noch drei Minuten zu leben habe.

Als Sophia, die Exfreundin, ungeduldig an der Tür klingelt, um zusammen zum Geburtstag der Mutter des Ich-Erzählers zu fahren, kommt es zum Dilemma: Sophia, die so den Tod persönlich gesehen hatte, könnte deshalb nun auch sterben. Der Ich-Erzähler bleibt dafür vorerst am Leben und die Geschichte nimmt ihren Lauf.  Immer mehr Leute geraten aufgrund der Präsenz des Todes in Gefahr. Auch der Tod selbst steckt daher immer mehr in Schwierigkeiten und das Chaos könnte ihm sogar den Job kosten. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Sophia und der Ich-Erzähler kommen sich wieder näher, sie begeben sich auf die Suche nach seinem Sohn und der Tod beginnt das Leben zu genießen…

Kritik

Es ist eine gefühlvolle Geschichte, die auf einer so witzigen Art mit dem Thema Tod umzugehen vermag, dass man trotz der traurigen Umstände immer wieder lachen möchte. Die Personifizierung des Todes führt dazu, dass das Thema „Tod“ weniger unberechenbar wirkt. Der Ich-Erzähler hat Zeit, sich mit seinem Tod auseinanderzusetzen. Er begegnet dem Tod sogar als Person und freundet sich mit der Zeit irgendwie mit ihm an. Bedeutet es, dass wir uns mit dem Gedanken, dass wir alle irgendwann sterben müssen, einfach anfreunden sollten, um so unbefangener mit dem Tod umgehen zu können?

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„Sophia, der Tod und ich“ (hier als Hardcover) gibt es jetzt auch als Taschenbuch.

 

Womöglich war es Thees Uhlmanns Ziel, zu zeigen, dass man vor dem Tod keine Angst haben muss. Gerade der Fakt, dass wir irgendwann mit dem Tod konfrontiert werden, macht unser Leben doch so lebenswert. Wir lernen es so zu schätzen wissen. Deshalb sollten wir leben, lachen, lieben und das Leben in vollen Zügen genießen und mit Humor nehmen.

„Sophia, der Tod und ich“ hat traurige Momente, doch ist die Geschichte vor allem lustig und berührend. Es scheint als sei Musik zwischen den Zeilen, sowohl in Moll als auch in Dur.

Fazit

Für mich ist es letztendlich ein Roman mit Hintergrundmusik. Kennt man die Lieder des Sängers, so verspreche ich euch während des Lesens den einen oder anderen Ohrwurm. „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ scheint im wahrsten Sinne des Wortspiels schon prädestiniert dafür, einem bei dem Buch im Dauerschleife im Kopf herumzuschwirren. Thees Uhlmann beweist, dass er nicht nur ein guter Singer-Songwriter ist, sondern auch als Schriftsteller eines Buches Talent hat. Ihm gelingt es, seine tiefgründigen Gedanken sowohl in kurze poetische Liedpassagen als auch in einen längeren Roman verpacken. Chapeau Thees Uhlmann!

Auch spannend…

Thees Uhlmann – Offizielle Webpage

Thees Uhlmann: Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf (Lied)

Zeit-Online: Jetzt ist aber Sense (11/2015)

 

4 Kommentare zu „Roman in Moll und Dur

  1. Huhu, ich mag Thees Uhlmann als Musiker auch sehr. Besonders live und weil ich finde, dass seine Texte einen persönlichen und nahbaren Ton haben in denen es meist um das normale Leben geht. Den Roman fand ich aber etwas enttäuschend. Den Ton fand ich zwar gut lesbar, aber nicht schön und die Charakter haben zu unecht gehandelt.

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  2. Liebe Luise,
    Ich habe das Buch auch schon vor längerer Zeit gelesen und fand es auch großartig. Wie du schon sagst, ist es zum Lachen, aber auch ernst und rührend. Den Gedanken, das Uhlmann uns mit dem Roman die Angst vor dem Tod nehmen möchte, finde ich sehr schön. Mir war der Tod im Roman auf jeden Fall sehr sympathisch und ich fand es fast schon süß, wie er das Leben entdeckt hat. Für mich war es auf jeden Fall ein Appell, mal wieder mehr darauf zu achten, was ich mit meinem Leben anfange, und das eigentlich jeder Tag ein Geschenk ist, das man nutzen sollte.
    Liebe Grüße, Julia

    Gefällt 1 Person

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