Rezensionen · Sachbücher

Suche und finde Geschichte

Eine Rezension zu „Die Suche“, Das Anne Frank Haus (Hrsg.), 2017

(Westermann-Verlag)

Das Tagebuch der Anne Frank wurde dieses Jahr 75 Jahre alt – Die Eltern schenkten es Anne am 12. Juni 1942 zu ihrem 13. Geburtstag. 5 Jahre später wurde es von ihrem Vater veröffentlicht, dem einzigen Überlebenden der jüdischen Familie Frank.

Ich habe mir vom Anne Frank Haus als Herausgeber mal ein etwas anderes Comic zugelegt. Eigentlich bin ich gar nicht so der Comic-Leser, doch diese Ausgabe fand ich besonders, denn es gelingt ihr mit Illustrationen in traditioneller Comic-Art ein geschichtlich ernsthaftes Thema ansprechend zu vermitteln: „Die Suche“, eine Zusammenarbeit vom Anne Frank Haus und dem Jüdischen Historischen Museum Amsterdam über den Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust.

Ich habe es außerdem zum Anlass genommen, nun auch in Berlin mal das Anne Frank Zentrum zu besuchen, ein Partner des Anne Frank Hauses in Amsterdam, um mich noch einmal näher damit auseinanderzusetzen, mit dem Schicksal von Anne Frank und ihrer Familie.

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Die Suche, ein Comic herausgegeben vom Anne Frank Haus

Inhalt von „Die Suche“

Esther, die Oma von Daniel kommt extra aus Amerika geflogen, um bei seiner Bar-Mizwa dabei zu sein, dem jüdischen Fest des Erwchsenwerdens. In diesem Zusammenhang lernt Daniel auch Jeroen kennen, den Enkel von Esthers langjährigen Freundin Helena. Esther plant einen alten Bauernhof zu besuchen, wo sie sich während des 2. Weltkrieges vor den Nazis aufgrund ihrer Religion als Jüdin für ein halbes Jahr versteckte. Damit beginnt sie auch Daniel und Jeroen zu erzählen, was damals mit ihr und ihrer Familie sich genau ereignete, wie sie versuchten aus Deutschland in die Niederlande zu fliehen und sich am Ende aus den Augen verloren. Ihre Eltern wurden bei einer Razzia festgenommen und deportiert. Esther konnte auf den Bauernhof fliehen.

Nach dem Krieg traf sie bei ihrer Rückkehr nach Amsterdam auf ihren alten Freund Bob, der ihr die Wahrheit sagen musste, dass ihre Eltern in Auschwitz umkamen. Doch erfuhr sie nie mehr über das Schicksal ihrer Eltern. Nun viele Jahre später beschließt sie Bob in Israel wiederzutreffen, der mehr über ihre Eltern wusste, als sie geahnt hatte…

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Kritik

Der Comic richtet sich vor allem an Schüler ab zehn Jahren, doch finde ich persönlich, dass es nicht nur für Jugendliche, sondern für Jedermann empfehlenswert ist. Mit dem Comic ist es dem Anne Frank Zentrum gelungen, anschaulich die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts zu erklären, eingebettet in einer individuellen schicksalhaften Geschichte, wie sie sich mehrfach in den Kriegsjahren ereignete.

Das Tagebuch der Anne Frank musste wohl jeder in den 90er Jahren und heute in der Schule lesen. Es ist immer noch regelmäßig in den Bestsellerlisten. Das Anne Frank Zentrum bot mir die Gelegenheit, mein Wissen mal wieder aufzufrischen.

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Über einen Hof gelangt man zum Hinterhof, in dem die Ausstellung: Anne Frank hier & heute dauerhaft ausgestellt ist.

Das Anne-Frank-Zentrum

Man gelangt in ein Hinterhaus genau so wie Anne Frank mit ihrer Familie vor den Nazis in Amsterdam versteckt lebte. Sobald man die Treppe zur Ausstellung hinaufsteigt, hört man bereits Ausschnitte aus dem Hörbuch zum Tagebuch der Anne Frank.

Es ist wohl eines der persönlichsten Erinnerungsschriftstücke aus dem zweiten Weltkrieg, das Tagebuch der jungen Anne, die über ihr Leben im Versteck schreibt, über ihre Gefühle und Ängste, aber gleichzeitig auch über die Entwicklung historischer Ereignisse zu dieser Zeit.  Es war Anne Franks eigener Wunsch aus dem Tagebuch ein Roman zu schreiben, weshalb sie sehr ausführlich viele Details der politischen Entwicklungen sowie aus ihrem Leben im Hinterhaus festhielt. Leider wurde das Versteck der Familie, nach dem sie zwei Jahre heimlich dort leben konnten, im Jahre 1944 entdeckt. Anne verstarb im Konzentrationslager Bergen-Belgen im März 1945, 2 Monate bevor die Nazis kapitulierten. Miep Gies, eine Helferin der Familie Frank bewahrte das Tagebuch über die Kriegsjahre hinweg auf und übergab es schließlich Otto Frank, der es an die Öffentlichkeit brachte. Mit Anne Frank bekamen die vielen Opfer des Holocausts ein Gesicht.

Was mir an der Dauerausstellung „Anne Frank hier & heute“ gefällt, dass es nicht nur Informationstafeln und Fotos zu den Ereignissen der Familie und den geschichtlichen Hintergründen gibt, sondern die Ausstellung interaktiv gestaltet ist. So kann man über Kopfhörer sowohl einem Zitat von Anne Frank lauschen als auch von Kindern und Jugendlichen von heute. So erzählt Anne Frank, dass sie Autorin werden möchte und vergleicht sehr schön ihr Versteck als blauen Himmel, da es für sie der letzte sichere Ort, aber die grauen Wolken draußen würden immer näher kommen. Auch die anderen Jugendlichen von heute erzählen von ihren Träumen, beruflichen Zielen und wie ihr Himmel der Zukunft aussieht. Es zeigt, dass wir letztendlich alle nur junge Menschen mit Träumen sind. Man erlebt die Ausstellung so auch als die Erzählung der Geschichte von Anne Frank im Hier und Jetzt. Die Ausstellung ist zwar klein, aber damit auch kurzweilig und durch ihre Interaktivität für junge Leute sehr ansprechend gestaltet. Langeweile kommt nicht auf!

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Eines der berühmtesten Tagebücher des 20. Jahrhunderts: Das Tagebuch der Anne Frank

Fazit

Die Themen, der Zweite Weltkrieges sowie die Judenverfolgung, bleiben stetig präsent. Manchmal erscheint es uns, als würden wir dazu gar überfrachtet werden mit Literatur, Filmen und Ausstellungen. Doch „Die Suche“ als Jugendsachbuch ermöglicht jedem einen Zugang zur Geschichte auf eine leicht verständliche, „unterhaltsame“ Art. Das Comic erklärt, löst Emotionen aus und klärt auf und damit meine Empfehlung für jeden, der sich mit dem Thema näher auseinandersetzen möchte, ohne sich durch dicke historische Wälzer quälen zu müssen. Jeder der die Möglichkeit hat, dem empfehle ich außerdem, sich mal ein bis zwei Stunden die Zeit zu nehmen und das Anne Frank Zentrum am Hackeschen Markt Berlin besuchen. Es ist eine ansprechende, aber vor allem auch lehrreiche Zeitreise in die Vergangenheit. Es ist meiner Meinung nach nie zu viel Zeit vergangen, um Geschichte ruhen zu lassen. Man muss sich immer wieder mit ihr auseinandersetzen, damit sie im Hier und Jetzt nicht noch mal geschieht.

Noch mehr Informationen…

Anne Frank Fonds (Hrsg.): Das Tagebuch der Anne Frank, Frankfurt am Main 2016, 5. Auflage (Fischer Verlage).

Anne Frank Zentrum Berlin

Anne Frank Haus Amsterdam

Mein Filmtipp:

Das Labyrinth des Schweigens (Trailer)

 

2 Kommentare zu „Suche und finde Geschichte

  1. Hey!
    Ach wie cool, das habe ich tatsächlich noch nie gesehen.
    Werde es direkt mal bei Medimops suchen.
    Danke fürs Vorstellen!
    Ich war übrigens kürzlich mit meiner Mutter in Amsterdam, leider haben wir online keine Karten mehr für das Anne Frank Haus bekommen und vor Ort war die Schlange unendlich lang 😦
    Ich hoffe, dass ich es irgendwann noch mal anschauen kann.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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