Feuilleton

Relativitätstheorie der Schönheit

Schönheit ist relativ

Curvy Model Josi (Foto Sophie Engel)

Gesellschaftlich geprägte Schönheitsideale variieren. Blickt man zurück auf die letzten Jahrhunderte, kann man von einer Entwicklung sprechen, die nicht gegensätzlicher sein könnte. Früher galten frauliche Kurven noch als attraktiv und man hüllte sich als Frau in Tüllröcke und schnürte die Corsagen zu einer enge Wespentaille, sodass Frauen für die Schönheit auch ohnmächtig wurden. Heute wirkt es als ob viel nackte Haut das wahre Sexappeal sei und in Sachen Schlank sein, es keine Grenzen gäbe. Jedenfalls dann, wenn man der Modelbranche Glauben schenkt. So ist Schönheit leider nicht nur ein Phänomen, das von inneren Werten, sondern auch von gesellschaftlichen Stigmata geprägt wird. Schönheit kommt für viele daher nicht nur von innen. Schön sein wollen, heißt oft auch harte Arbeit. Da leidet auch mal das persönliche Wohlbefinden.
Wer schön sein will, muss also leiden?

Im Februar geht Germany’s Next Topmodel (GNTM) in die nunmehr zwölfte Runde. Das heißt 12 Runden Zickenkampf von jungen Frauen, deren Gewicht oftmals die gesunde Marke unterschreitet. Mindestens 1,75 m bitte, aber am besten größer und 90 60 90 würde schon bedeuten, dass da zu viel Fett vorhanden ist. Das scheint der Beliebtheit der Serie allerdings keinen Abbruch zu bescheren.

German’y Next Topmodels, alles Schönheiten?

Die Show von Model Heidi Klum, angelehnt an das amerikanische Format America’s Next Topmodel, treibt jedes Jahr viele junge Mädchen vor den Fernsehr, um den Modell-Boxkampf live mitzuverfolgen. Geschaut wird, wie eine Kandidatin nach der anderen bildlich gesprochen zu Boden geht. Ich kann noch nicht mal verleugnen, dass ich die Serie nicht auch ab und zu mal gern einschalte. Dennoch habe ich das Gefühl, dass die Mädchen von Sendung zu Sendung noch dünner werden. Die Show zeigt vor allem eines, es ist die Realität des Modelgeschäfts, was ich moralisch verwerflich finde. 90 60 90 – diese angeblich perfekten Modelmaße haben viele Models gar nicht erst, weil sie dann womöglich schon zu dick sein könnten. Welch Boxkampf es mit dem eigenen Körper benötigt, um das Fliegengewicht zu halten, will man sich als „Normalo“ fast gar nicht ausmalen. Da hilft auch nicht die Werbestrategie des demonstrativen Essens von einem Döner durch Heidi oder einer gemeinsamen MC Donalds Session mit ihren Kandidatinnen bei GNTM. Denn seien wir mal ehrlich: Dauert ein Fotoshooting den ganzen Tag an, bleibt auch nicht viel Zeit, dass die von Heidi liebevoll genannten Mädchen noch essen. Da setzt nach einer 24 h Abstinenz auch so ein Burger und ein paar Pommes nicht an. Außerdem bewirkt diese Werbung eher das Gegenteil, was sie wohl erreichen soll. Denn es wäre doch gelogen, zu glauben: Wow, das ist alles so human und gesundheitlich unbedenklich in der Modelbranche. Viel eher befürchte ich, dass sich bei jungen Mädchen, die in den Kandidatinnen Vorbilder sehen, ein schlechtes Gewissen bei sich selbst breitmacht: Gut es liegt nicht am Burger essen, es liegt an dir. Dann fängt noch die nächste Generation an zu hungern. Models haben oft ein langweiliges Gesicht und Ausdruckslosigkeit ist deren Markenzeichen. Da fragt man sich doch immer mehr, warum nur der schlanke Körper und das Größe-Gewicht-Verhältnis als Schönheitsideale zählen sollen.

Wahre Schönheit kommt von Innen

So plakativ das auch klingen mag, sich in seinem Körper wohl zu fühlen, sollte immer noch das A und O sein. Wer immer darauf achtet, wann er was und wie viel er zu sich nimmt, bei dem kann sich kaum ein Gefühl von Harmonie mit dem eigenen Körper einstellen.

Auch ich ertappe mich manchmal dabei, zu glauben, dass ein bestimmtes Gewicht idealer wäre, als das was ich gerade habe. Kaum einer ist immer zufrieden mit sich selbst. Dennoch trägt ein In sich hineinhören und darauf achten,was der eigene Körper wirklich braucht, zur wahren Vitalität und damit zu einem gesunden Wohlbefinden bei.

Gesundes Wohlbefinden als Geheimrezept

Gesund finde ich im Übrigen das richtige Stichwort. Sport und gesunde, ausgewogene Ernährung tragen dazu bei, dass man energischer ist und sich in Konsequenz in seinem Körper leiden mag. Das bedeutet wiederum nicht übermäßig trainiert sein zu müssen, auch nicht im Umkehrschluss, dass Döner, Mc Donalds und Schokolade im Überfluss für das eigene Wohlbefinden gut sein können. Da hilft eben auch nicht die benannte Werbung von Heidi bei Germany’s Next Topmodel. Es ist viel mehr eine gute Body-Soul-Life-Balance, die entscheidend dazu beiträgt, dass es einem persönlich gut geht. Bewegung, gesunde Lebensweise und seelisches Balsam durch Belohnungen auch mal mit Schokolade oder einer Fastfood-Sünde gehören dazu.

Es gibt außerdem eine wichtige Zutat, auf die es meiner Meinung nach wirklich am meisten ankommt. Sie ist das Geheimnis wahrer Schönheit für mich: Die Schönheit von innen. Da können es auch mal ein paar äußerliche Pfunde zu viel sein.

Germany’s Next innere Schönheit

Heidi sollte meiner Ansicht nach mal Germany’s next innere Schönheit suchen. Zicken ist zwar bestimmt förderlich für die Einschaltquoten. Bei der Gewinnerin schauen die Zuschauer dann aber doch nach Sympathie. Letztere trägt nämlich dazu bei, eine Person wirklich natürlich schön zu finden.
Dann könnten die Models nicht mehr alle Größe 34 tragen, was bei einer Körpergröße von mindestens 1,80 m sowieso nicht gesund klingt. Allerdings hätten sie dann das gewisse individuelle Etwas. Ein natürliches Lachen, Ausstrahlung sowie das Spiel mit den eigenen Reizen macht attraktiv. Da Mode das Kapital von Models ist, fände ich gleichzeitig figurbetonte, also dem Menschen Figur entsprechende Outfits entscheidend. Kleider von der Stange in Größe 34 für alle helfen nicht viel, zumal es das Ziel ist, Mode für die Masse der „normalen“ Menschen zu produzieren. Einer muss die Modetrends irgendwann kaufen und anziehen.

Ginge es bei GNTM mal um natürliche Schönheit, dann entstünden womöglich sogar noch qualifizierte Gespräche zwischen den Models.
Das will vielleicht die Masse nicht, was zumindest die Produzenten der TV-Show glauben und leider sogar die Wahrheit sein wird: Nur manchmal habe ich die naive Hoffnung in Deutschlands Bevölkerung. Jeder weiß eigentlich, dass man seine Freunde nicht nach Idealmaßen aussucht, sondern wie sie mit einem selbst harmonieren. Dazu gehören gleiche Hobbys und gute Gespräche, bei denen auch mal Feingefühl und Verstand gefragt sind.

Gesellschaftliche Abhängigkeit des subjektiven Empfindens

Schönheit ist relativ und kann subjektiv sehr unterschiedlich aufgefasst werden. Dabei spielen auch gesellschaftliche Konventionen eine Rolle. Die Gesellschaft definiert, was man subjektiv als schön empfinden soll. Denn Schönheit ist abstrakt und eigentlich schwierig in ihren Merkmalen definieren.

Innere Schönheit ist zeitlos ( Foto Curvymodel Josi)

Folglich empfinden wir spezifische Gesichtszüge oder körperliche Proportionen objektiv schön, weil es uns auch gesellschaftlich so anerzogen wurde. Außerdem ist Schönheit auch ein fragliches Ideal, da es mit Glück verbunden ist. Man hat entweder Glück oder nicht, ob man dem gesellschaftlichen Ideal entspricht. Ist jemand nicht 1,80 oder hat eine genetische Veranlagung, ein paar Pfunde zu viel anzulegen, kann er kein Model werden. Models entsprechen für viele aber dem in der Öffentlichkeit geprägten Schönheitsideal. Den Pfunden kann man noch den Kampf ansagen, indem man abnimmt. Da gelangen wir aber wieder an das Dilemma – warum ist Mager schön?
Gemerny’s Next Topmodel ist eine Show, die viele junge Mädchen schauen. Sie prägt das Schönheitsideal junger Generationen.

Im 17. Jahrhundert zählten Kurven noch etwas, da sie Wohlstand signalisierten. Wir, die Germany’s Next Topmodel schauen können, leben in einer Welt, die auch im Wohlstand lebt. Wir könnten Essen genießen und sollten das Privileg schätzen. Da rede ich natürlich leider vor allem von der „westlichen Welt“. So blöd es klingen mag, der sogenannte Appell: Wir haben Lebensmittel im Überfluss, woanders hungern Kinder, klingt abgedroschen. Dennoch ist es dann noch umso ironischer, dass wir alles wegschmeißen, um einen Schönheitsideal nachzueifern, der für Hunger und körperliche Angreifbarkeit steht.

Botschaft an Heidi Klum:

Liebe Heidi, daher mein Aufruf von einer normalen jungen Frau: Zeig Deutschland next Topmodel mit dem schönsten natürlichen Lächeln und die Serie erfüllt ein Schönheitsideal, das unseren modernen Ansichten von Schönheit mehr entsprechen sollte. So können wir durch gesellschaftliche Konventionen auch ein anderes, wie ich subjektiv finde, angemesseneres Bild von Schönheit vermitteln. So ergibt sich vielleicht ein neues weit verbreitetes Schönheitsideal, was von Natürlichkeit geprägt ist. Da sind auch ein paar Pfunde mehr nicht so wichtig. Ein gesundes eigenes Wohlbefinden führt zu Selbstbewusstsein, was sich in einer schönen Ausstrahlung wiederfindet. Nach so einem Schönheitsideal, kann die Gesellschaft streben. Innere Schönheit sollte zeitlos sein.

Was macht für euch Schönheit aus? Erzählt gern von körperlichen Merkmalen wie auch inneren Werten, die für euch Schönheit ausmachen. Was ist für euch wahre Schönheit?

Weiterführende Links:
ARD Planet-Wissen: Schönheit (11/2016)
FAZ-online: Kommentar. Germany’s Last Topmodel (10/2015)
Cosmopolitan: GNTM 2017

Vielen Dank an meine liebe Freundin, mein liebstes Curvy Model Josi! Facebook-Profil: Champagne

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