Rezensionen · Romane + Erzählungen

Ein Haus aus Büchern

Eine Rezension: Das Papierhaus von Carlos María Domínguez

Für euch durchgeblättert…

 

 

Der ein oder andere kann sich sicher an diese alten Gruppen zu Zeiten von StudiVZ erinnern. Eine Gruppe träfe immer noch wunderbar auf mich zu: „Zu viele Bücher, die ich gern lesen möchte.“ Sobald ich ein Buch lese, denke ich parallel schon darüber nach, welches ich als nächstes verschlinge möchte oder noch unbedingt lesen müsste – vom Klassiker bis zur Neuerscheinung, vom Bestseller bis zum Außenseiter meiner beliebten Genres oder Lieblingsautoren, von Empfehlungen bis Bücher, die einfach spannend klingen.

So oft wie wir auf unser Handy schauen, vergessen wir in unserer modernen Welt gern, was wir sonst noch so wertvolles mit unserer Zeit anfangen könnten.  Anstatt zum zigsten Mal die News bei Facebook durchzuklicken oder festzustellen, dass immer noch keine neue Nachricht auf dem Handy blinkt, sollten wir öfter das Handy einfach weglegen. Der ein oder andere kennt wahrscheinlich auch die Situation, wenn plötzlich keine Verbindung zum Internet hergestellt werden kann und das länger als nur wenige Minuten anhält, manchmal sogar Tage. Gefühlt steckt man in der Zeit nur in der Warteschleife im Callcenter seines Internetanbieters. Plötzlich stehen wir da als Opfer des 21. Jahrhunderts und stellen fest: Es muss auch ohne Internet gehen und dann entdecken wir die Welt, beobachten, unterhalten uns oder erinnern uns, welche Bücher wie eben mal lesen könnten.
Bücher geben einem die wunderbare Möglichkeit, sich über verschiedenste Themen Gedanken zu machen und sich dabei selbst zu reflektieren. Im Nachhinein geraten aber leider all die Gedankengänge schnell wieder in Vergessenheit. Deshalb habe ich mir nun fest vorgenommen, euch monatlich immer mindestens eine Buchempfehlung vorzustellen. Ich möchte euch damit ein paar Inspirationen und damit Alternativen zum Handy und Internet geben ;-). Lasst uns mehr lesen! Deshalb wird es ab sofort bei Luise blättert auf monatlich folgende Unterkategorie geben: „Durchgelesen im…“. Passend dazu stelle ich euch ein Buch vor, das dem Buch lesen selbst gewidmet ist: Mein Buchtipp im Mai: Das Papierhaus von Carlos María Domínguez 


„Bücher verändern das Schicksal der Menschen“ – dieser Satz zu Beginn der Geschichte

Mein Buchtipp:
„Das Papierhaus“

beschreibt auch den Charakter des Buchs. Auf lustige und charmante Weise wird man als Leser von der ersten Seite an in den Bann der Geschichte gezogen. Dieser erste Satz scheint

gleichzeitig auch der rote Faden der Geschichte, denn Bücher beeinflussen sie auf eine manchmal unbewusste Weise. Es ist eine Geschichte über Bücher im Buch.

„Schattenlinie“ von Joseph Conrad – Dieses Buch soll den Ich-Erzähler der Geschichte zu einer Abenteuerreise des Lesens und voller Bücher in seine Heimat nach Lateinamerika führen.
Ursprünglich war das Buch an seine ehemalige Kollegin und geliebte Bluma adressiert. Der Ich-Erzähler übernahm als Professor den Lehrstuhl von Bluma, nach dem die junge Frau bei einem Autounfall ums Leben kam – als sie beim Straße überqueren einen Gedichtband las.

Der Protagonist, dessen Namen man nie gänzlich erfährt, will mehr über das Buch und seine Geschichte erfahren, als es an seinem neuen Lehrstuhl an der Universität in Cambridge abgegeben wird und er eine Widmung von Bluma darin findet. Er begegnet auf der Suche nach dem Sender des Buches leidenschaftlichen bis hin zu nahe fanatischen Buchlesern.
Das Buch die Schattenlinie wird eine verhängnisvolle Rolle spielen.

In dem Roman „Das Papierhaus“ geht es um das Leben und Überleben mit Büchern.
Domínguez gelingt es, den Leser mitzunehmen.
Von Zeile zu Zeile möchte man mehr erfahren, welchen Einfluss die Bücher als nächstes haben könnten und was es letztendlich mit dem Papierhaus auf sich hat. Gleichzeitig scheint man sich als Teil der Geschichte zu fühlen, weil man nicht nur von den Büchern in der Geschichte sondern auch von dem Buch „Das Papierhaus“ selbst fasziniert ist. Bildlich gesehen, zeigt dieses kleine Büchlein auf einem schmalen Umfang von 88 Seiten mit der Geschichte über Bücher, warum lesen so schön und Bücher so wertvoll sind.

…mit illustrativen Zeichnungen

Ein klitzekleiner Kritikpunkt allerdings meinerseits ist, dass in einigen Passagen viele Bücher und Schriftsteller auf einmal, insbesondere auch aus dem spanisch- sprachigen Raum benannt werden. Es erschlägt einen ab und an, gerade wenn einem die Namen nichts sagen.
Doch mein allgemeines Fazit:
Der Roman ist eine kleine Liebeserklärung an das Phänomen Buch und der perfekte Lesestoff für jeden Buchliebhaber, der gern eins nach dem anderen liest und sich auch das ein oder andere Buch gern ins Wohnzimmerregal stellt. Das Papierhaus ist aber auch etwas für die eher „Lesemuffligen“, die eine spannende Geschichte brauchen, um weiterlesen zu wollen und die von einem 400-Seiten-Wälzer schnell erschlagen werden. Trotzdem kann man behaupten, innerhalb kürzester Zeit gefühlt einen Inhalt von 400 Seiten mit den verschiedensten Facetten des Lesens gelesen zu haben – so gehaltvoll ist das Buch.

Literatur: 
Carlos María Domínguez: Das Papierhaus, Elisabeth Müller (übers.), Berlin 2014 – Original; “ La casa de papel, Montevideo 2002.
Deutschlandfunk, eine Zusammenfassung (Vorsicht Spoilergefahr)

Ein Kommentar zu „Ein Haus aus Büchern

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