Feuilleton

Vorsätzlich handeln

Neues Jahr, neues Glück –
aber immer die alten gleichen Vorsätze?

„The same procedure as last year, Mrs. Sophie? The same procedure as every year, James.“

Das Jahresende – die Zeit der Rückblicke und Erwartungen. Was habe ich dieses Jahr erlebt und erreicht? Welche Meilensteine prägen mein vergangenes Jahr, welche plane ich fürs kommende? Einerseits fragen wir uns, ob wir zufrieden mit uns und unseren Entwicklungen sind, andererseits denken wir darüber nach, was wir verändern sollten. Wir wollen uns Vorsätze vornehmen, aber auch eigentlich uns nicht unter Druck setzen lassen, sondern das Leben so genießen, wie es auf uns zukommt.

 „Bleib so wie du bist“ sagen die einen, „wachse an dir“, „arbeite an deinen Schwächen und bau deine Stärken aus“, die anderen.
Silvester polarisiert. Die einen zelebrieren es, die anderen finden, dass Silvester ein Tag wie jeder andere sei. Ich muss sagen, ich gehöre zur ersten Gruppe. 

Blei gießen – eine für mich schöne Tradition,
wenn vielleicht ohne viel Sinn für andere


Es ist zwar trotzdem nur ein Tag wie jeder andere, aber Geburtstage und Weihnachten auch. Manchmal ist es meiner Meinung nach allein die Sicht der Dinge, die die Perspektive bestimmt. Warum ich Silvester mag? Nicht des Feuerwerks oder der knallenden Böller wegen oder um auf Parties, zu gehen, nein. Denn da würde man tatsächlich immer einen Grund finden, wenn man wollte. Sondern weil es für mich immer bedeutet, einen kleinen Abschnitt des Lebens zu beenden, einen anderen dafür neu anzugehen. Ich muss nicht unbedingt groß feiern an Silvester und auch nicht in einer riesigen Runde. Ich nehme mir aber gern Zeit dafür, um es dann im kleinen Kreis mit Leuten zu verbringen, die mir wichtig sind. Ich möchte mit denen das gemeinsam verbrachte letzte Jahr bewusst beenden und das neue willkommen heißen.

Man kann auf das vergangene Jahr zurückblicken und für sich rekapitulieren, womit man zufrieden gewesen ist, womit man erfolgreich war, wann mein einfach nur Glück hatte und in welchen Momenten man besonders gelacht und etwas einzigartiges erlebt hat – welche besonderen Menschen man kennen gelernt hat oder welche einem immer wieder zeigen, dass sie wahre Goldschätze sind.

Wenn man nicht zufrieden mit seinem Jahr war, ist Silvester eine Möglichkeit zu überlegen, was man verändern möchte und so das neue Jahr beginnen, eine Art Neustart quasi, sich neuprogrammieren.


Was ist eigentlich so schwer daran Vorsätze einzuhalten?
Einmal etwas richtiges wagen oder die Meinung sagen, einen neuen Stil tragen
etwas ausprobieren, was nicht zu unseren typischen Verhaltensweisen passt, abnehmen, gesünder leben. Ich denke, wir nehmen uns oft zu viel vor und wollen zu viel planen. Wir scheinen manchmal gerade zu Kontrollfreaks unseres eigenen Lebens zu sein. Dabei leben wir unbewusst immer im jetzt und hier. Nach der FAZ bestätigen Ökonomen, dass wir aktuellen Konsum, dem Zukünftigen gern vorziehen. Ganz nach dem Motto: „Wenn du die Wahl zwischen einem gesunden Salat und Eis hast, welche Eissorte wählst du?“ Deshalb tun wir uns mit Vorsätzen so schwer, weil wir im entscheidenden Momenten doch nicht verzichten wollen oder bei uns bleiben.
Vorsätze sollten realistisch sein und vor allen Dingen immer Platz für Fehler und kleine Fehlschläge lassen.

Warum sind Vorsätze so schwer?
Mehr Sport, weniger Süßes?

Manche wollen vielleicht in ein idealisiertes Bild passen, was gleichzeitig auch anpassen, eine Chance verpassen, bedeuten kann.  Man bemerkt nicht, dass man versucht in eine Schublade hineinzupassen und deshalb auch gern scheitert. Kleine Vorsätze sind manchmal die sichersten und auch die effektivsten, einen Satz vor den anderen eben, so sagt es ja das Wort selbst schon.
Ich persönlich bin mehr als zufrieden mit meinem Jahr, mit meinen Meilensteinen und Momenten, die ich erlebt habe. Ich hatte auch viel Glück und bin oft heran gegangen mit: Was hast du zu verlieren?
Ich für mich persönlich habe gewonnen dieses Jahr. Ein beruflich neuer Weg, in einer neuen Stadt, ein neues Hobby und eine Typveränderung. Ich habe einiges gewagt und einfach gemacht,weniger gedacht, mir treu geblieben, mich verändert. Aber eins ist mir klar, ich möchte trotzdem ich bleiben und mich mit den Leuten umgeben, die mir wichtig sind, die mich begleiten und das schon eine Weile.  Darum mag ich Silvester mit den kleinen Traditionen, egal wie sinnvoll sie sind. The same procedure as last year, Mrs. Sophie? The same procedure as every year, James! 
PS: Ergänzende Anmerkung – Nur eins finde ich wirklich „schlimm“, dass die Briten Dinner for one nicht kennen und scheinbar ihren eignen britischen Humor nicht schätzen 🙂 (siehe Spiegel-Artikel)

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