Feuilleton

Berlins Eigen(zig)artigkeiten

„Ich habe da gerade so n‘ Projekt – super! Noch nichts konkretes, aber sehr geil. Businessmäßig hab ich mich da noch nicht festgelegt. Irgendwas im „creative“ Bereich – Auf jeden Fall! Bloß kein nine to five job? Find ich ja mega ätzend! Genau, ich mach einfach einen Fashion Blog, geil! Und laufe dann mit meiner Spiegelreflex durch Friedrichshain und mache Fotos, von „Streetern“ und intressanten Leuten. Hauptsache hier in Berlin!“ Kraftklub: „Ich will nicht nach Berlin“

Die nächste U-Bahn „erst“ in 4 min…

Ich gebe zu, dass ich mich in dem Song ertappt fühle… ja ich wohne jetzt in Berlin. Ich darf mich für zumindest eine gewisse Zeit irgendwie „Berlinerin“ nennen – Ich habe Lust auf diese Stadt, sie zu entdecken, möchte mich hier beruflich entwickeln in einem Job, in dem ich mit Leidenschaft dabei bin und Spaß habe. Tja und dann habe ich auch noch diesen schönen Blog.  Berlin, eine Stadt voller Widersprüche und Besonderheiten und ich mittendrin.

Diese Stadt kann man täglich neu entdecken mit ihren Einzigartigkeiten, aber auch Eigenheiten. Tatsächlich hat man den Eindruck, dass die Stadt einen gewissen Schlag von Menschen anzieht, den es eben nur in Berlin gibt – vielleicht nicht immer nach dem Klischee mit Nerdbrillen und Hipster-Kleidungsstil. Sie sind einfach individuell, eigensinnig bis hin zu verrückt oder freaky.
Manchmal tragen eben auch noch eine Retrobrille und im Hipsterlook. ( Ich verrate jetzt nicht, dass ich auch so eine Brille habe)

Berlin zieht sich an.

„Meine Brille ist nicht Vintage, verdammt die ist Retro!“

Schon in der ersten Woche hatte ich den Eindruck, von Eindrücken überrannt zu werden.
„Das ist so Berlin“ denke ich mir ( Ins Berlinerische übersetzt mit: Dit is so Berlin, dacht ick mir, wa?…)

Wenn ich langsamer werde, weil ich mir sage: „Die nächste U-Bahn kommt eh in vier Minuten, schaue ich lieber, wo ich genau hin muss“. Der Berliner aber hetzt immer schneller an mir vorbei und flucht, sobald er die Bahn verpasst hat, als käme die nächste erst drei Stunden später.

Wenn ich jemanden peinlich berührt nach dem Weg frage, da eine Straße zu offensichtlich für mich scheint und ich sie als Fremde vielleicht nur nicht finde, weil sie nicht ausgeschildert ist. Ich schmunzele, da der „Berliner“ letztendlich auch überlegen muss und mir dank der neu modernen Funktion mit maps helfen kann. (Ja, ich glaube, dass es manchmal wirklich Berliner sind, die genauso ahnungslos aber nicht ganz so planungslos sind.)

Wenn ich die WG-Gesucht Seiten durchforste, anstatt Wohnungsanzeigen, Stellenausschreibungen finde oder mir geschrieben wird, dass innerhalb von zwei Stunden so viele Anfragen kamen, dass man die Anzeige auch schon wieder deaktivieren musste – dann werden mir neben den Einzigartigkeiten auch einige Eigenarten Berlins bewusst. Durchgangszimmer, Zwischenmiete für zwei Wochen, zusammenwohnen mit Leuten über 70. In Berlin ist alles erlaubt und es gibt einfach auch alles. Mein seltsamstes Erlebnis war bis jetzt ein Mann in den Mitte 40 er in Lederhose, der ein bisschen zu sehr glaubte, jung geblieben zu sein. Als er dann noch seine vielen 50 und 100 er – Scheine aufblätterte, aber den Anschein machte, keinen wirklichem Job nachzugehen, bin ich innerlich schon weg gerannt.  „Ich war überrascht, wie elegant ich der Frage aus dem Weg gegangen bin, ob ich einziehen würde. „Ich muss da noch eine Nacht drüber schlafen.“

Schlafen, das tut die Stadt hingegen, wie Seeed treffend beschreibt, gefühlt nie:

„Wir shaken, was wir haben, bis morgens 7 Uhr,
woanders gibt’s ’ne Sperrstunde, bei uns die Müllabfuhr.
Dann bau’n wa ’n dickes Rohr, kommt dann schon mal vor,
und blasen dicken Smoke durchs Brandenburger Tor.“

Dickes B, home an der Spree,
im Sommer tust du gut und im Winter tut’s weh.
Mama Berlin – Backsteine und Benzin,
Wir lieben deinen Duft, wenn wir um die Häuser zieh’n.“ Seeed: „Dickes B“

Guten Morgen Berlin…!

Alle Straßen sind belebt, zu jeder Tageszeit. Überall scheinen sich Dönerläden, an Indern und Italienern, Drogerien an Supermärkten oder Cafés an Bars zu reihen. Ob die Dönerläden tatsächlich von Türken oder die indischen Restaurants von Indern betrieben werden, sei aber noch dahingestellt.

So viele Lieder, die es über Berlin gibt, so viel kann man auch über die Stadt berichten. Ich bin erst ganz kurz hier, aber freue mich mehr zu entdecken, jedes Viertel hat seinen besonderen Charakter. Ja ich bin eben doch ein bisschen im Kraftklub -Song enthalten, mag es an den kleinen Läden vorbei zu bummeln, Kaffee im alternativen süßen Café mit zu verweilen und vielleicht zugebenermaßen auch diese Besonderheiten auf Foto festzuhalten. ( Die Spiegelreflexkamera fehlt mir noch, wer schenkt sie mir? 😉 ). Gegen Friedrichshain habe ich nichts einzuwenden. Mit ruhigem Gewissen denke ich mir aber, dass ich ja keinen Fashion-Blog habe und damit nicht so ganz das Klischee erfülle … 😉

Guten Morgen Berlin du kannst so häßlich sein
so dreckig und grau
Du kannst so schön schrecklich sein
deine Nächte fressen mich auf
es wird für mich wohl das Beste sein
ich geh nach Hause und schlaf mich aus
Und während ich durch die Straßen laufe
wird langsam schwarz zu blau Peter Fox: „Schwarz zu blau“

Sicher hat die Stadt, viele dreckige Ecken, Obdachlose, die in U-Bahnen ihre Zeitschriften verkaufen, sind Alltag. Doch gerade deshalb ist es Berlin. Du erlebst alles und jeden, als würde man so über den Tellerrand schauen. Die Stadt hat eine besondere Geschichte, die sie ausmacht, in der sie gefühlt alles erlebt hat. Sie ist ein Sinnbild für Stärke, Ausdauer und Individualität. Hier wird Freiheit gelebt. Vielleicht ist sie deshalb so ein Anziehungspunkt für viele durch ihren eigenen Charakter in einer individuellen berlinerischen Gegenwart und auch Zukunft.

Mir kommt die Stadt einerseits nicht mehr so ungeheuerlich vor, wie früher. In den Menschenmengen zur U-Bahn fühlt man sich schnell selbst als ein (wen auch kleiner) Teil von ihr. Die vielen Alleen und Parks in der Stadt geben ihr den gewissen Charme. Andererseits, wie es auch mal ein Ur-Berliner selbst witzigerweise und so treffend zu mir sagte, ist Berlin ungerheuerlich groß, selbst für den Berliner. Mein Heimatstadt fühlt sich verglichen damit nicht wie eine Großstadt, sondern eher wie ein Vorort von Berlin an. Wenn ich glaubte, sie wimmle voller seltsamer Leute, so begreife ich in Berlin, dass es sie überall gibt und Berlin mit seinen drei Millionen Menschen, den einen oder anderen Verrückten mehr versteckt hält.

Ertappt…

Doch Berlin, ich bin bereit dich weiter kennen zu lernen in deiner Größe, Individualität mit deinen Eigen- und Einzigartigkeiten – Nach so wenigen Tagen, scheine ich schon viel mit dir erlebt zu haben, doch ich freue mich auf mehr Geschichten. Wo stecken deine Gesangstalente in den U-Bahnen, deine Hipsters im „creative Bereich“, deine Blogger aus Friedrichshain oder deine verrückten Nachtschwärmer? Ich lass mich überraschen…

Fortsetzung: Im Recall…

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