Feuilleton

Sieh, ein Regenbogen am gleichen Ufer!

“My lover’s got humour
She’s the giggle at a funeral
Knows everybody’s disapproval
I should’ve worshipped her sooner”
„Take me to church“ – beschreibt der Sänger Hozier selbst, handelt von Sexualität, Freiheit und Menschlichkeit. Eigentlich sollte jeder frei entscheiden und dazu stehen können, wen er liebt, doch in der Öffentlichkeit wird damit gespalten umgegangen. Gerade Religionen sind diesbezüglich gern widersprüchlich. Sexualität ganz allgemein galt auch im Christentum lange als sündhaft. Eine Frau als Geliebte zu verehren ( oder gar selbst eine zu sein) bedeutet Schwäche. Das ist scheinbar auch bei Homosexualität der Fall, wenn wir uns die aktuelle Debatte anschauen. Schade eigentlich, zumal gerade der christliche Glauben doch für Nächstenliebe und Toleranz einsteht.
„We were born sick
You heard them say it“

Man sollte meinen, dass wir in unserer heutigen Zeit aufgeklärt genug seien, nicht mehr zu glauben, dass es krank, eine schlechte Angewohnheit oder ein Hirngespinst wäre, wenn zwei Frauen oder Männer sich zu ihrer Liebe bekennen. Hozier provoziert und das scheinbar nicht unbegründet. Wenn vielleicht nicht immer in diesem im Lied dargestellten zugespitzten Sinn, glauben einige, dass wir nicht vollkommen gleich seien und daher auch unterschiedlich behandelt werden können. Natürlich haben wir eine andere Persönlichkeit, verschiedene Fähigkeiten, Interessen, Glaubensrichtungen und lieben unterschiedlich. Doch ist es noch lange kein Grund nicht gleichberechtigt behandelt zu werden. Die eine Liebe ist doch nicht gleicher als die andere oder?

 

Die Regenbogenfarben als Sinnbild für Toleranz,
Freiheit und Vielfalt
Als in Irland am 22.05.2015 in einem Referendum für „die Ehe für alle“ und damit für eine Gleichberechtigung homosexueller Paare bei der Ehe gevotet wurde, ist ein Statement durch die irische Bevölkerung gesetzt worden. Die Debatte in Deutschland (und das längst überfällig) kam wieder in Schwung. Zwar existiert seit 2001 die Möglichkeit einer gleichberechtigten Lebenspartnerschaft durch das eingeführte Lebenspartnerschaftsgesetz, was als wegbereitend für die bürgerlich – rechtliche Gleichstellung betrachtet worden ist. Doch zeigt allein schon die Existenz dieses Gesetzes meiner Meinung nach, dass wir es mit keiner vollständigen Gleichberechtigung zu tun haben. Insbesondere beim Adoptionsrecht und bei der Einkommensteuer bestehen weiterhin Unterschiede. Es werden immer wieder kleine Annäherungen vorgenommen, wie zum Beispiel das Ehegattensplitting (2013), das Sukzessivadoptionsrecht (das Adoptionsrecht von bereits adoptierten Kindern des Lebenspartners, 2014),  oder das derzeit bestehende Vorhaben für homosexuelle Paare die eingetragene Lebenspartnerschaft zu gestatten, die diese im Ausland eingehen möchten. Aber diese Kleinigkeiten implizieren doch immer wieder auch Diskriminierung und Ungleichheit. 
Das erzkatholische Irland hat uns schließlich in Sachen Gleichstellung überholt.
Gäbe es ein Referendum auch bei uns in Deutschland, glaube ich, würde unser Ergebnis ähnlich ausfallen. Gerade wir jungen Menschen sind verstärkt mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass wir von Grund auf  erst einmal alle gleich sind in unseren Rechten, Ansprüchen und Bedürfnissen und deshalb auch vor dem Gesetz gleichberechtigt behandelt werden sollten. Man hofft es zumindest, dass deutsche Bürger so denken. Doch vielleicht täusche ich mich auch und unterschätze die konservative Einstellung der Mehrheit. 
“My Church offers no absolutes 
She tells me, „Worship in the bedroom.“
The only heaven I’ll be sent to
Is when I’m alone with you”
Gemeinsam die Segel hissen
Frau Merkel spricht im Interview des Bürgerdialogs am 13.07.2015 in Rostock von einer klassischen Ehe, die weiterhin ihrerseits persönlich zwischen Frau und Mann bestünde, obwohl sie wisse, dass immer mehr Bürger und insbesondere die jüngeren keine Unterschiede mehr sehen. (Der Bürgerdialog wurde öffentlich besonders bekannt durch den Dialog mit dem libanesischen Mädchen, dessen Familie seit 4 Jahren auf eine Bestätigung ihres Asylverfahrens für eine vollständige Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland wartet und während des Gesprächs zu weinen beginnt.)
Ja genau und vielleicht sollte man einfach auf diese jungen Menschen hören.
“ Let’s celebrate pride“ so hieß zudem eine Initiative bei Facebook nach der Entscheidung des Supreme Courts, die Ehe für homosexuelle Paare als rechtmäßig zu erklären. Immer mehr User änderten ihr Profilbild, eingetaucht in Regenbogenfarben, um ihre Zustimmung, Toleranz und ihr Mitgefühl zu zeigen.
Wir stehen am gleichen Ufer
Selbst das prüde Amerika scheint nun auch zu reagieren. Warum wagen wir Deutsche also nicht endlich den allerletzten Schritt mit einer gleichberechtigten Ehe für alle und zeigen wie freiheitlich und gleichberechtigt wir denken und sind?
Jedenfalls zeigen die User von Facebook, dass sie das Symbol der Regenbogenflagge verstehen, anerkennen und mit präsentieren wollen – das Symbol für Freiheit, Toleranz und Vielfalt – und das als Einheit durch Mehrheit. 
„Vom anderen Ufer“ heißt es oftmals, wenn davon gesprochen wird, dass jemand homosexuell ist. Das ist wohl genau der falsche Blickwinkel, aus dem wir die Dinge betrachten sollten. Wir sollten vielmehr gemeinsam die Segel hissen, da wir alle am gleichen Hafen stehen.
“I was born sick, but I love it
Command me to be well
Aaay Amen. Amen. Amen.
Take me to church
I’ll worship like a dog at the shrine of your lies
I’ll tell you my sins and you can sharpen your knife
Offer me that deathless death
Good God, let me give you my life…”
Verwendete Quellen und weiterführende Links:
Mein besonderer Dank geht auch an zwei Freunde, die mich sowohl auf den Liedtext als auch auf das Interview von Angela Merkel zu diesem Thema aufmerksam gemacht haben. Ich denke sie erkennen sich wieder – danke 🙂

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