Feuilleton

Die Revolution eines Buchstabens

Aber warum eigentlich Generation Y? 
Generation Y
Generation Medien
Uns gefallen keine Zeitschriftenartikel mehr, sondern wir „liken“ Beiträge auf Online Magazinen. Wenn wir gerade bei Facebook online sind, können wir sogar direkt die Magazine über deren öffentlichen Seiten durch einen leichten Klick auf den „I like“ Button abonnieren, sodass wir immer mit Informationen und Eilmeldungen versorgt werden.
Dafür müssen wir nicht mal mehr zu Hause den PC einschalten, sondern können bequem von überall auf unseren Smart- und I-phones Beiträge verfolgen, online sein, E-Mails beantworten, Kurznachrichten über Whats-App oder Facebook schreiben, einen geteilten Beitrag eines Freundes liken oder ein Foto bei Instagramm hochladen.


Unsere Generation, die ab den 80er Jahren aufgewachsen ist, wird sogar als die „Digital Natives“ bezeichnet, die mit den neuesten technischen Geräten und Entwicklungen aufgewachsen sind. Für uns sind Fernseher, Laptops, Handys und das Internet vertraut. Sie gehören zu unserem unmittelbaren Alltag, zur Kommunikation, Informationsbeschaffung oder zur Unterhaltung. Doch wenn ich kleine Kinder in der Bahn mit dem Tablet ihrer Eltern spielen sehe, bin selbst ich immer noch überwältigt. Denn sie sind für mich die wahren Bürger der modernen Medien. Für sie ist es selbstverständlich, dass ihre Eltern ihr Smartphone direkt in der Hosentasche haben. So kann man die drei Jährigen beobachten, wie sie zur Beschäftigung lässig das Telefon aus Mamas Tasche stibitzen, die Passwortkombination nachzeichnen, als wäre es das normalste der Welt, um eines der vielen Katzenvideos fasziniert auf You-Tube anzuschauen oder aus Versehen den Chef ihrer Eltern anrufen.
 
Wir die Jahrgänge der 80er- 2000er sind eher die Revoluzzer der Online -Welt. Wir haben das Internet, insbesondere die sozialen Netzwerke für die alltägliche Kommunikation und auch für die Arbeitswelt etabliert. Wir sind die Generation Buchstabe, wir sind die Generation Y. 
Aber als ich so über die Generation Y genauer nachgedacht habe und mich gefragt habe, warum wir eigentlich noch einmal so bezeichnet werden, musste ich schmunzeln. Wir gelten nicht nur als die Nachfolger der berühmten Generation X, die Generation unserer Eltern, die der Geburtenstarken Jahrgänge und der „Nachkriegs“ – Generation, sondern wir sind eine ganz eigene, im Englischen ausgesprochene „Generation „why“. Wir sind die, die alles hinterfragen – die Wissbegierigen. 
 
Wir sind einerseits mit dem Boom der Technik aufgewachsen, auch für uns war sie von Anfang an ein Bestandteil unserer Kindheit. Allerdings spreche ich davon, wir wir mit großen Augen Videokassetten bestaunten, aufgeregt auf unser Lieblingslied im Radio warteten, um in Sekundenschnelle auf die „Rec“ Taste zu klicken. Wir fühlten uns total lässig mit dem eigenen Walkman herum zu laufen oder schauten abends hitzig auf die Tür, weil die Eltern irgendwann im Zimmer stehen könnten, da man bereits eine halbe Stunde mit dem schnurlosen Telefon telefoniert hat. Dann fanden wir es praktisch und spannend uns über Facebook bzw. in Deutschland lange Zeit noch StudiVZ anzumelden, dort Bekannte zwanglos zu kontaktieren, über Nachrichten Termine auszumachen, Fotos zu teilen, ganz egal wo man gerade ist. Wir konnten so leichter mit unseren Freunden in Kontakt bleiben, wenn wir in der ganzen Welt unterwegs waren. Heutzutage sind die sozialen Netzwerke ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Sie sind unser Kommunikationsmittel, Nachrichtenportal, Veranstaltungsplaner oder sogar Geburtstagskalender. Auch für die Arbeitswelt ist es unerlässlich geworden. Jede kleine Firma hat heutzutage einen Social Media – Beauftragten, der für die richtige Online-Präsenz und für das Firmenmarketing  auf Sozialen Netzwerken sorgt. 
Ich bin immer noch fasziniert, wenn ich mich jetzt selbst und meinen Umgang mit dem Smartphone beobachte. Wir haben doch gerade noch Snake auf dem Nokia 3210 und die SMS als revolutionär angesehen. Jetzt ist eigentlich mein Leben auf einem so kleinen Gerät gespeichert und ich kann es überall mit hinnehmen – mit meinen Fotos, meinen Sozialen Netzwerken mit Kontakten oder ganz retro das Adressbuch mit den Telefonnummern. Ich muss es sogar fast überall mit hinnehmen.  „Klingel mich an, wenn du da bist“, „Ruf mich doch an, wenn du fertig bist“ , “ Ich schreib dir die Adresse per SMS“. Dabei ist es doch eigentlich auch mal ganz schön, mit Freunden zusammen zu sitzen, sich persönlich in die Augen zu schauen, miteinander mit unseren markanten Stimmen und persönlicher Mimik und Gesten anstelle sich über einen flimmernden Bildschirm zu unterhalten.
 
Generation Warum?
Vielleicht hinterfragen wir als Genration Y deshalb unsere Welt und uns so genau.
Unsere Zukunft wirkt so ungewiss, weil sich ums uns herum alles so schnell verändert und die Welt durch die digitalen Medien und die Globalisierung immer kleiner wirkt. Wer bin ich in dieser schnelllebigen Zeit? Wenn ich die Zukunft und die Welt um mich herum nicht beeinflussen kann, so dann doch meinen eigenen Weg und mein persönliches Lebenskonzept? Ich glaube nicht, dass wir nicht fit für die Arbeitswelt sind, oder wir nicht wissen, wie die Realität aussieht. Ich glaube auch nicht daran, dass wir uns nicht binden können oder nur herum irren und deshalb nicht glücklich sein können. Nein ich denke, dass gerade, weil uns bewusst ist, dass unser Arbeitsalltag ein entscheidender Teil unseres Lebens ausmachen wird und wir auch einen Ausgleich in der Freizeit haben möchte: „Life-Work-Balance“, für uns unsere Selbstverwirklichung so wichtig ist. Aber was ist so verwerflich daran, nach der eigenen Leidenschaft zu suchen, die eigenen Talente zu finden und Freude daran zu haben, was wir tun? Warum soll nicht mein Beruf, ein Teil meiner selbst sein und Spaß machen? Manchmal müssen wir uns eben erst selbst finden und lieben lernen, um uns für etwas und jemanden anderes öffnen zu können. Wir haben einerseits so viele Möglichkeiten und Freiheiten, wie wahrscheinlich kaum eine andere Generation vor uns sie hatte. Wir wissen, dass es uns gut geht und wir unsere Chancen und Gelegenheiten nutzen sollten. Wir wollen ins Ausland, die Welt entdecken, uns spezialisieren, wie wir es möchten, in der Stadt leben, die uns ein Gefühl von Heimat vermittelt und mit dem zusammen leben, mit dem wie wir uns wohl fühlen, auf einer gleichen Wellenlänge liegen und Spaß haben. Diese vielen Möglichkeiten heißen allerdings auch Konkurrenz und Druck. Es bedeutet hohe Flexibilität, offen für die ganze Welt zu sein, über sich hinauszuwachsen und über den eigenen Tellerrand zu schauen.  Wir wissen, da sind noch viele anderen qualifizierte, gut ausgeblidete, engaierte jungen Menschen der Generation Y, die nach dem gleichen tollen Traumjob greifen wollen wie wir. Mal an einem anderen Ort als in der Heimat gelebt zu haben, ins Ausland zu gehen ist genauso selbstverständlich und notwendig geworden für die eigene Persönlichkeitsentwicklung, wie das Finden nach dem eigenen Lebenskonzept, den Leidenschaften und die Freunde, mit denen man sich umgeben möchte und einen so akzeptieren, wie man ist. Wahrscheinlich streben wir deshalb immer nach etwas höherem und sind so wissbegierig und hungrig auf die Welt.
Falls wir nicht weiter wissen, dann googeln wir eben und suchen nach einer Antwort im unendlichen World Wide Web.
Ich bin gespannt, was uns die Generation Z zu sagen hat, die nun langsam älter wird oder gerade heranwächst. Vielleicht können sie uns die vielen Warum-Fragen beantworten, sobald sie über den Tablet schauen und nicht mehr nur durch Katzen-Videos zu begeistern sind. Vielleicht stellen sie uns aber auch weitere Warum-fragen und zeigen uns, wie unerschöpflich und faszinierend unsere Welt ist.
 
Weiterführende Links:
Hurrelmann, Klaus/ Albrecht, Erik: Die heimlichen Revolutionäre. Wie die Generation Y unsere Welt verändert, Weinheim 2014.
 
 

3 Kommentare zu „Die Revolution eines Buchstabens

  1. Liebe Lulu,

    ich bin mal wieder auf deinem Blog unterwegs und prograstiniere Lernen für die Uni 😛
    Mir hat dein Beitrag über unsere Generation richtig gut gefallen.
    Ich bin ziemlich stolz, dass wir als digital natives durchgehen, weil ich es so erstaunlich finde, welche enormen Sprünge Wissenschaft und Technik ind en letzen 25 Jahren gemacht hat.
    Für die Kinder die jetzt aufwachsen ist das Smartphone und der uneingeschränkte Zugang zum Internet so selbstverständlich..
    Wenn ich mal zurückdenke, als ich ein Kind war, hat das Internet erst müde Anfänge durchlebt, „surfen“ ging auf Zeit, jede Minute kostet und bringt Mama graue Haare auf dem Kopf – die ja noch viel weniger damit anfangen konnten (Neuland… ;-))
    Ich finds großartig, so ins Internet reingewachsen zu sein und es heute als festen Bestandteil in meienm Leben anzuerkennen.
    Ich denke auch nicht, dass es je wieder abflachen wird – ganz im Gegenteil: Ich bin absolut der Meinung, dass das Internet mitlerweile die „alten“ Medien wie Zeitung und Fernsehen (Radio sowieso :D) längst überholt und mit weitem Abstand abgehängt hat..
    Den Müll im Tv kann man sich nicht mehr hingeben – im Internet hat man die Möglichkeit zu selektieren und das über die ganze Welt – jederzeit. Ohne Probleme.

    Ich finds' mega faszinierend welche Trends und Entwicklungn die letzten 20 Jahre mitsich gebracht haben & Ich bin wahnsinnig gespannt was noch folgt..

    Toller Beitrag von dir 🙂 Wünsch dir ein tolles Wochenende!
    Anna ♥

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  2. Ich tue mich immer schwer mit diesem Über-den-Kamm-scheren einer ganzen „Generation“ (was auch immer das ist). Die wichtigste Errungenschaft der globalisierten, vernetzten Welt ist für mich weniger das Aufprägen eines Buchstabens auf eine Masse von Menschen, die sich genauso wenig unter einem Begriff subsumieren lässt wie in „vor-digitalen“ Zeiten, sondern vielmehr: die Objektivierung der Welt.
    Was als unumstößliche Fakten verkauft wird, ist heute in Sekundenschnelle von jedem überprüfbar. Und mehr noch: zu Dingen, die zwangsweise subjektiv eingefärbt sind – etwa alles, das „Politik“ im Untertitel oder zwischen den Zeilen trägt – können binnen kurzer Zeit die unterschiedlichsten Auffassungen aus aller Welt zusammen getragen werden. So kann jeder für sich die – hoffentlich vorhandene – objektive Nachricht destillieren, und lernt dabei noch etwas über die diversen Weltanschauungen der einzelnen Kulturen. Ein unermesslicher Fortschritt im Vergleich zu früher, als man noch auf die propagandistischen Verzerrungen von ein bis zwei Quellen vertrauen musste.

    Darüber kann sich unsere „Generation“ hoffentlich am Ende doch definieren: Wir sind diejenigen, die mehr wissen wollten. Die schließlich mehr wussten, weil sie durch die globale und digitale Vernetzung mehr wissen konnten. Die volksverdummende Massenmedien-Propaganda als solche enttarnten und hinter sich ließen, und damit die Weichen für ein harmonischeres Zusammenleben der Kulturen stellten.

    Auch wenn diese Weichen Katzenvideos sind 🙂

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  3. Natürlich lassen wir uns nicht alle über einen Kamm scheren. Gewisse Tendenzen einer Generation gibt es jedoch immer – ( nach Wikipedia :-D: Eine Generation ist in der Biologie die Gesamtheit aller Lebewesen, die innerhalb ihrer Abstammungsgruppe denselben Abstand von den gemeinsamen Vorfahren beziehungsweise ihren Nachkommen haben). Bei uns ist es nun einmal die Technik und wie du sehr treffend sagst das Bewusstsein mittels Internet eine globale, sehr schnelle Informationsübertragung und -bereitschaft zu ermöglichen. Mit Generation Y scheint es, dass wir einfach unter einem Buchstaben summiert werden. Aber eigentlich finde ich die Bezeichnung sogar sehr liebenswert und differenzierter, als du vielleicht glaubst. Wir sind nämlich die „Generation“ Warum. WIr als die jungen nehmen nicht nur hin, sondern hinterfragen! Das kann man ruhig mal hervorheben 🙂

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