umgeblättert

umGeblättert….

„Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.“ (Mark Twain)

 
Dieses Wochenende fand in meiner kleinen Großstadt das Bücherfest „umGeblättert“ auf dem Moritzhof, einem bezaubernden Kulturhof, statt. Gestern bin ich mit Freunden selbst vor Ort gewesen, um mal zu schauen, was es so für neue spannende Bücher, Aktionen rund ums Lesen und Schreiben oder aber auch tolle Fundstücke auf dem Bücherflohmarkt gibt.

 
Der Moritzhof selbst hat das perfekte Ambiente für solch ein Bücherfest. Wenn man durch das Eingangstor hineingeht, gelangt man auf einem kleinen Hof auf einem ehemaligen Gut. Die Umgebung gibt einem das Gefühl, sich auf eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit zu begeben oder aber einen Ausflug aufs Land mitten in der Stadt zu unternehmen. Reizend ist die Idylle und das Zeitlose.
Im gesamten Jahr finden hier Märkte, Ausstellungen, Lesungen, Filmvorstellungen oder Veranstaltungen alternativer Künstler aber auch Konzerte und Poetry Slams statt. Die Räumlichkeiten sind unter anderem eine Scheune, ein ehemaliger Stall und der Hof, was den besonderen Charme der Einrichtung ausmacht. Ich würde den Moritzhof für mich persönlich als das Herz des Kulturlebens Magdeburgs bezeichnen. Er gehört zu den ältesten Kulturzentren der Stadt und sorgte bereits für das Individuelle und Außergewöhnliche, als alternative Kulturformen wie Lesungen, Ausstellungen von etwas unbekannteren Künstlern oder gesellschaftskritischere Filme  fern ab vom Mainstream irgendwie in Magdeburg noch wie ein Fremdwort schienen. Ich bin froh, dass der Moritzhof nicht mehr nur eine Geheimtipp für einschlägig Interessierte ist, sondern ein fester wichtiger Bestandteil des Stadtlebens geworden ist. In der Stadt haben sich mit der Zeit viele weitere wunderbare Kulturprojekte und Kulturzentren entwickelt, sodass nun auch von einem kleinen regen Kulturleben in Magdeburg gesprochen werden kann. Dazu hat der Moritzhof meines Erachtens einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet.
 
 
Hier befanden wir uns nun: Da das diesjährige Thema „Himmel und Hölle“ hieß, hingen am Eingang zur Begrüßung selbst gebastelte Engelsflügel. Außerdem stand dort eine Tafel, auf der man auf Klebezetteln den eigenen himmlischen und höllischen Moment aufschreiben konnte. „Das heben wir uns mal für den Schluss auf“, dachten wir uns… ( Da müssen wir uns erstmal Gedanken machen:-) ) Geschmückt waren die Bäume mit Wäscheleinen, an denen Buchblätter mit dem Wind flatterten. An der Scheune hing ein Banner mit dem witzigen und etwas selbstironischen Zitat von Mark Twain: „Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.“ Ich musste lächeln und dachte mir, verrückte Dinge im Leben zu erleben und mal zu wagen, gehören doch zum Leben irgendwie dazu, oder?
 
Auf dem Moritzhof sah es aber alles ganz friedlich aus, denn er war insgesamt sehr schön kreativ und liebevoll dekoriert. Auf dem Hof standen Stände, einer dicht neben dem anderen. Wir entdeckten Verkäufer mit neuen individuellen Büchern, aber auch Tische ganz im Sinne eines antiquitäten Bücherflohmarkts. Ich war ein wenig überrascht über den doch kleineren verwendeten Platz als die Jahre zuvor. Nach meinen Erinnerungen der letzten Jahre waren sowohl größere Zelte auf der Wiese vor dem Moritzhof mit vielen Bücherständen als auch zusätzlich Stände auf dem Hof. Aber so wirkte es gemütlich und charmant. Draußen vor der Haus eigenen Gaststätte auf dem Hof konnte man auch kleine Köstlichkeiten zur Stärkung zu sich nehmen sowie im Café Getränke wie leckere Kaffeesorten oder Säfte bestellen. Wir entschieden uns für letzteres, sodass ich mich mit einer Rhabarberschorle erfrischte. Angenehm wurden wir vom folgenden Programm überrascht, als dass eigene Texte und aus selbst geschriebenen Buchlesungen vorgelesen werden konnte. Das war für mich auch ein kleiner besonderer Höhepunkt des Buchfestes, besonders als ein kleiner Junge aus seiner eigenen Abenteuergeschichte vorlas und mich wirklich häufig zum Schmunzeln brachte. Er hatte es niedlich und phantasievoll geschrieben mit doch einigen sehr komplexen Erzählsträngen und kreativen Ideen. Er hatte auch einige leicht brutalere Ausschmückungen verwendet. Er hatte es insgesamt auf so einer süßen kindlich unbefangenen Art vorgelesen und erzählt ( „dann war da die Endschlacht“), dass man glatt darüber hinweg sehen konnte, dass er, wenn die Geschichte jetzt verfilmt werden würde, selbst wohl den Film nicht im Kino anschauen dürfte.
 
Ich fand es einen sehr gelungenen Nachmittag und ein tolles umgesetztes Projekt! Persönlich konnte ich leider nur einmal da sein und hätte mich noch über den einen oder anderen Stand mehr zum Thema Bücher gefreut. Ideen meinerseits für das nächste Jahr wären vielleicht noch Stände mit einer Kreativwerkstatt (auch für die Größeren) für Gedichte und Gedanken oder Bastelideen zu Bücherregalen und Aufbewahrungsorten sowie mit Büchern von regionalen Autoren oder Leseproben von kreativen Köpfen.
 

Am Schluss sind wir auf jeden Fall noch einmal bei der Tafel stehen geblieben und wollten unsere persönlichen himmlischen und höllischen Momente aufschreiben. Dabei mussten wir feststellen, dass das besonders mit den höllischen Momenten gar nicht so einfach war. Als himmlischster Moment kam mir der wunderbare Frühling dieses Jahres in den Sinn mit den jetzt schon so warmen Sonnenstrahlen und den für mich gefühlten ganz besonders kräftig und eindrucksvoll blühenden Blüten an den Bäumen für einen Aprilmonat. Bei dem höllischsten Moment kam mir offen gestanden gestern gar nicht so richtig etwas in den Sinn. Aber ich glaube, manchmal sind es eigentlich die kleinsten Tücken des Alltags wie die Suche nach einem Schlüssel, das Rennen mit der Zeit oder die Pläne, die nicht ganz so wie erhofft gelingen wollen, die wir in den Momenten der Missgeschicke am liebsten verteufeln möchten. Doch einen Moment später lachen wir schon darüber und finden sie gar nicht mehr so höllisch. Dann sollten wir einfach ein wenig verrückt sein und uns so unser eigenes schönes Leben erklären und gestalten.

 

 
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