Feuilleton

Zufälle gibt’s… Von Wortspielen, Kuriositäten und Irrwegen unserer Sprache

Der Name meines Blogs entstand vor allen Dingen aus der Idee heraus, über verschiedene Themen zu berichten, die mir brisant erscheinen, mich bewegen oder ich so kurios und spannend finde, dass ich sie mal zu Papier bringen möchte. Ich blättere zu Hause in Büchern, Zeitungen oder Zeitschriften oder Online-Magazinen auf und schreibe hier darüber. Ich blättere aber auch virtuell mit meinem Blog irgendwie in meinem eigenen kleinen „Zeitschriftenblatt“ auf.

Ein Feuilleton bezeichnet in vielen Zeitungen und Zeitschriften das Ressort, in dem kulturelle, philosophische, künstlerische sowie gesellschaftliche Themen aufgegriffen werden. Hier findet aber auch die kuriosen und kleinen Dinge Platz, die sonst so nebensächlich im Leben und Alltag erscheinen. Das sind genau die Themen die ich gern auch aufgreifen möchte.

Deshalb werde ich gleich mit zwei Kuriositäten einsteigen.


 

Aufblättern  übersetzt man im Französischen mit „feuilleter“, da es sich vom Wort „feuille“ – dem Blatt ableitet. “ Was für ein schöner Zufall…“ dachte ich mir, da ich, obwohl ich Frankreich und Französisch-Liebhaberin bin, bei meiner Namensgebung und Themenfindung nicht bedacht hatte, wie wunderbar die beiden Ideen aufblättern und „Feuilleton“ harmonieren. Feuilleton – „Das Blättchen“ kann man demzufolge als Blatt im Blatt bezeichnen, da es die gesamte Kultursparte einer Zeitung umfassen kann. Es kann aber auch ein eigenes Heft ausfüllen, da wie wir sehen, es so viele kulturelle besondere Ereignisse und noch viel mehr Kuriositäten und Eigenheiten auf der Welt gibt.

Eines davon sind die Irrwege unserer deutschen Sprache.
Bastian Sick hat sogar mehrere Bücher darüber wie unter anderem “ Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod (2004)“ geschrieben. Neben den kleinen Fehlerchen die Muttersprachler im Laufe der Zeit in die Sprache einbauen (Pizzas, wegen dem…), sodass sie so alltäglich wirken und teilweise sogar vom Duden, wenn auch als Umgangssprache bezeichnet, übernommen werden. Sick hat es mit treffenden Worten dargestellt, wie unsinnig manche Dinge in unserer Sprache erscheinen.

Genau das ist mir selbst wieder ganz besonders bei der Verwendung des Wortes „Feuilleton“ aufgefallen.Es erinnert mich an Worte wie Handy, Jogging, Public Viewing oder das berühmte Happy End. Englische Worte, die es im Englischen nicht mal gibt. Es ist einerseits schön wie modern die deutsche Sprache ist und sein möchte. Nicht alle neuen englischen Vokabeln müssen zwangsläufig übersetzt werden, wie es ja gern im puristisch Französischen gemacht wird. Das kann ich vollkommen nachvollziehen. Aber warum müssen wir andererseits eigentlich moderner sein als die Briten und Amerikaner selbst? Wir übernehmen nicht nur Fachwörter aus der Originalsprache, sondern werden selbst originell.
Mich interessiert deshalb mal der Ursprung des Wortes Handy und habe entsprechend recherchiert. Die Frage nach der Wortherkunft reicht von kleinen Legenden der Firmen Telekom und Motorola bis hin zu der Verbindung von Wortverwandtschaften. Die Telekom behauptet beispielsweise in einem Telegramm 1988 bereits das Wort Handy verwendet zu haben, als eine Sekretärin es als Kurzform für die neuen praktischeren, leichteren „Handhelden – Telefone im Meeting bezeichnet haben solle. Auch Motorola verwendete schon einmal die Bezeichnung Handy-Talkie für den Nachfolger des Walkie – Talkies 1940.
Aber ob überhaupt eines der beiden Bezeichnungen in der 90ern maßgebend zur Wortschöpfung beigetragen hat oder nicht einfach nur englische Bezeichnungen für „praktisch – handy“ und „hand“ den Namen beeinflusst haben, kann nicht eindeutig bewiesen werden. Ich vermute, dass wahrscheinlich von allem ein bisschen dabei ist. Denn sowohl das Handy Talkie und auch die Handheld Telefone zeigen bereits, welche Verknüpfung man herstellen wollte, wenn neuere praktischere Modelle auf den Markt kamen: Wir wollen es praktikabler, handlicher und moderner. Darum greifen wir sprachlich auch gern auf englische Wörter „zurück“ oder besser gesagt „vor“, denn wir sind eben auch da gern ein Stückchen moderner und weltoffener.

Das haben wir auch schon gern gemacht, als wir noch mehr französische Ausdrücke in unserem Sprachgebrauch haben einfließen lassen. Damals als „savoir-vivre“ und „c’est la vie“ à la französisch noch „en vogue“ waren anstatt“in“. Auch heute verwenden wir noch französische Worte, wobei wir oftmals das Englische mit Technik und Moderne, das Französische meiner Meinung nach eher mit Kultur, Eleganz und gutem Essen oder Romantik wie beim „Rendez-Vous“ verbinden.
Insofern finde ich es auch mehr als in Ordnung „Feuilleton“ statt Kulturteil zu sagen, auch wenn im Französischen tatsächlich eher von den „pages culturelles“ (den Kulturseiten) gesprochen wird. Ich muss zugeben, dass ich es selbst gern sage – „Feuilleton“ weil es so melodisch und umfassend klingt. Mit Kultur und kulturell bezeichnet man im Deutschen oftmals die spezifischen Bereiche des Kulturlebens, wie Theater Kino oder Kunst. Im Französischen ist „culture und culturelle“ oft allgemeiner gefasst. Letztendlich bin ich auch nur im heutigen weltoffenen Deutschland aufgewachsen und verwende gern Fachbegriffe aus anderen Sprachen und eben auch das Wort Handy… Aber bei Feuilleton kann ich zumindest immer noch damit argumentieren, dass das Feuilleton als Titel auch in Frankreich im 18. Jahrhundert einmal für den Teil der Theater- und Buchkritik des „Journal des Débats“ diente und dann im 20. Jahrhundert vom Berliner Tagblatt und der Frankfurter Allgemeine übernommen worden ist. 😉 So sind eben die Irrwege unserer Sprache: manchmal unergründlich, umfunktioniert, aber sie zeigen eben auch Weltoffenheit, Vielfalt und wie beim Wort Handy manchmal auch ein bisschen Kreativität und Witz – und das vor allen Dingen bei den angeblich so ernsten, gewissenhaften Deutschen….

Verwendete Quellen und weiterführende Links:
Spiegel-Online Woher kommt das Handy? (2007)
Abbildung, Nachweis
Feuilleton Wortherkunft  Video

3 Kommentare zu „Zufälle gibt’s… Von Wortspielen, Kuriositäten und Irrwegen unserer Sprache

  1. Liebe Lulu,

    Ich musste wirklich lächeln, als ich deinen ersten richtigen Blogeintrag gelesen habe! Tatsächlich habe ich noch nie über die Wortherkunft Feullieton nachgedacht, aber es ist so ein nettes Wort, es klingt so lieblich irgendwie 😀

    Ich mag deine Art wie du schreibst, sie erinnert mich irgendwie sehr an meine & außerdem gefällt mir gut, dass du über Themen schreibst, bei denen du denkst, dass sie Aufmerksamkeit verdient haben.

    Das Interent ist momentan voll von Fashion & Lifestyleblogs, da ist dein Blog mal wirklich eine willkommene Abwechslung! Vorallem, dass du auch über Literatur schreibst find ich wirklich toll & ich hoffe, dass da noch ein bisschen was kommt 🙂
    Ich bin mir sicher, dass du deinen Weg finden wirst, zwischen Absurditäten und Kuriositäten einen ganz tollen Blog zu zaubern!

    Ich werde auf jeden Fall immer mal wieder hier vorbeischauen & wer weiß – vielleicht werd ich ja auch ein Stammgast hier 😀

    Viele viele Grüße,

    Anna ♥

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  2. Oh vielen lieben Dank Anna, für diese unglaublich schönen Worte! Du hast das so unglaublich lieb und differenziert geschrieben! Ich gebe mir Mühe noch mehr über Bücher und Kuriositäten zu schreiben. Das sind ja hier noch die Kinderschuhe meines Blogs, aber ich hoffe, dich als Leserin noch weiterhin begeistern und damit dauerhaft gewinnen zu können! Ganz liebe Grüße Luise

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  3. Ich würde mich auch freuen wenn du etwas über gelesene Bücher berichtest. Mode und Beauty sind ok zum Zeitvertreib, gerne strenge ich aber mal meine grauen Zellen an und versuche deinen vielen Gedanken zu den Fremdwörtern und Themen der Welt zu folgen 🙂 Wie oft vergisst man einfach was um einen rum geschieht… deine Worte regen zum Nachdenken an und noch viel besser zur Meinungsbildung!! Es gibt leider zu Viele ohne eigene Meinung… mach weiter so, ich bin ganz gespannt! 🙂
    Liebe Grüße Mia

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